Erste Grenzwertüberschreitung in 2019

Windrichtung; Windstärke (in dm/s) und PM10 Feinstaubbelastung vom 1.1.19 bis zum 27.1.19. Feinstaubbelastungen über dem Grenzwert von 50 ug/m3 sind hellgrün bis gelb.

Passend zu den ersten Feinstaub-Grenzwertüberschreitungen für das Jahr 2019 (vom 23.1-25.1) habe ich nun angefangen nach Quellen für die Feinstaubmessungen in Oldenburg zu suchen. In Hinsicht auf meine Spekulation und auch aktuelle Berichte, die darauf hindeuten, dass die Landwirtschaft ein Hauptverursacher von Feinstaub ist, habe ich mal die Januardaten der Windmessung der Universität Oldenburg mit den PM 10 Feinstaub Messungen der offiziellen Messstation am Heiligengeistwall in Beziehung zu setzen.

Dieser Monat ist interessant, da es in den letzten Tagen zu erhöhten Messwerten kam. Es zeigt sich, dass im Januar erhöhte Feinstaubwerte hauptsächlich bei Wind aus Nordost bis Südwest gemessen wurden und dies bei eher schwachen Winden um bis ca. 4 m/s (ungefährt 14,4 km/h / 3 Bft).

Ich hatte ursprünglich erwartet, dass eher Winde aus Südwest, also aus Richtung Bösel und Frisoythe in Zusammenhang mit erhöhrten Messungen stehen. Bei Gelegenheit werde ich mal weiter in den Daten von 2018 suchen, ob sich hier ein klares Bild ergibt. Auch muss ich noch rausfinden, ob die Windrichtung zwischen Wechloy und dem Zentrum grundsätzlich ähnlich ist.

Die Grafik verwendet die gemittelten (laufendes 24h Mittel zur Grenzwertermittelung) PM10 Werte der offiziellen Messung in 1h Auflösung. Für meine eigenen Messungen erhebe ich die Daten im 5 Minuten Takt. Dort stelle ich häufig während der Nacht langsam steigende PM10 Werte fest, die dann abrupt abfallen. Auch hier muss ich noch mal nachsehen, ob das abrupte Abfallen vielleicht mit einer Änderung der Windrichtung einhergeht.

Studie deutet auf Landwirtschaft als Hauptverursacher für Feinstaub hin

Seitdem  das ARD-Magazin Monitor am 17. Januar um 21:45 Uhr pünktlich zum Start der Gründe Woche über die Landwirtschaft als einen der Hauptverursacher ausgemacht hat (ca. 45%), überschlagen sich die Nachrichten.

Soweit ich bisher in Erfahrung bringen konnte, konzentriert sich bisher unveröffentlichten Studie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie auf eine Abschätzung der Menge an Todesfällen, die durch erhöhte Feinstaubbelastung verursacht werden. Vemutlich handelt es sich dabei um eine Metastudie, die sich laut Monitor auf 40 internationale Untersuchungen aus 16 Ländern stützt. So ist wohl für 120.000 vorzeitige Todesfälle Feinstaub eine mögliche Ursache. Leiter der Studie ist  Prof. Jos Lelieveld. Statistisch kann man diese Werte dann auf den Durchschnittstsbürger umrechnen, was bedeutet, das dieser durchschnittlich 2,5 Lebensjahre durch Luftverschmutzung verliert. Wenn man davon ausgeht das in Oldenburg und Umgebung die Luftverschmutzung höher als in anderen Regionen ist (Darum sind muss ja Oldenburg auch Maßnahmen ergreifen), werden vermutlich statistisch Oldenburger im Durschnitt mehr als 2,5 Lebensjahre verlieren.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, sagt: „die Hochrechnungen seien hochgradig unseriös und schlicht unmoralisch“. Ob und wie er diese Aussage begründet, habe ich noch nicht herausgefunden.

Aus Gülle entweicht Ammoniak (NH3) welches durch chemische Prozesse in der Luft u.a. in Feinstaub umgewandlt wird, dieser verteilt sich dann mit dem Wind. 663.000 Tonnen Ammoniak wurden laut Umweltbundesamt 2016 in Deutschland freigesetzt. Etwa 95 Prozent davon aus der Landwirtschaft. Laut dem Monitorbericht hat Deutschland in einer internationalen Vereinbarung schon 2001 versprochen, ab 2010 nicht mehr als 550.000 Tonnen Ammoniak pro Jahr zu emittieren. Der Ammoniakausstoß der Landwirtschaft ist aber seit 1991 durchgehend stabil um die 650.000 Tonnen.

Für mich werden mit diesen Berichten meine früheren Mutmaßungen bestätigt. Bald darf wieder gedüngt werden und die Luftmessstation in Oldenburg wird wieder Grenzwertüberschreitungen vermelden. Bösel im Landkreis Cloppenburg liegt im Zentrum des Schweinegürtels. Vielleicht kann ich ja einen versetzten Einzug des Feinstaubs messen. Für Bösel bräuchte es dann allerdings Wind aus Südwest.

Auch die NWZ nimmt sich in einem Artikel dem Thema an.

Düngeperiode

Bislang konnte ich in den Daten noch keinen Zusammenhang der Feinstaubentwicklung mit den Verkehrsstoßzeiten in meiner Straße erkennen. Allerdings fehlt mir für die genaue Analyse auch ein Verkehrszähler. Ich vermute daher eher einen Zusammenhang mit der Aufbringung von Dünger sowie ggf. mit der Heizperiode.

Die übliche Düngeperiode ist in Niedersachsen meines Wissens zwischen dem 1. Februar und Ende September. In 2017 gab es auf Antrag die Möglichkeit schon Mitte Dezember zu düngen. Üblicherweise treten die meisten Feinstaub Grenzwertüberschreitungen auch im Februar und März sowie Anfang April auf und dann erst wieder, in deutlich geringerem Umfang, zwischen August-November. Soweit ich recherchiert habe, wird Grass gerne Januar/Februar gedüngt, das Wintergetreide im Februar/März. Vielleicht wird nach der Ernte nochmals Dünger ausgetragen? Da muss ich noch genaueres herausfinden.

Im Gegensatz zu der Feinstaubentwicklung im Staßenverkehr, zB. durch Reifenabrieb, entsteht Feinstaub der durch Düngung verursacht wird erst durch chemische Prozesse in der Luft. Ich werde in Zukunft versuchen auch Daten über Windrichtung und -geschwindigkeit zu sammeln. Vielleicht wird der Feinstaub vom Land in die Stadt getragen? – Dazu weiß ich allerdings noch zu wenig über mögliche Reichweiten und Verteilungsmodelle von Feinstaub.

Datenqualität erstes Halbjahr 2018

Hier der Vergleich der PM10 Feinstaub Messungen meines Sensors (in blau) im Vergleich zu den offiziellen Messungen am Heiligengeistwall. Ich kann eine sehr gute Korrelation von r=0.85 berichten. Insgesamt sind in dem Vergleich 4347 Datenpunkte des eigenen Sensors, sowie 4244 Datenpunkte der offiziellen Messung eingeflossen. 

Es gab im ersten Halbjahr neun PM 10 Grenzwertüberschreitungen: fünf im Februar (8-10.2, 19-20.2), drei im März (4.3.,6-7.3.), sowie eine im April (13.4.). Wie auch leicht in der Grafik erkennbar, war die höchste Überschreitung am 8. März mit 91 ug/m3. In 2017 gab es insgesamt 13 PM10 Grenzwertüberschreitungen. 

Fortschreibung des Luftreinhalteplans

Die Stadt hat die Fortschreibung des Luftreinhalteplans am 9.4.18 fertiggestellt. Am 22.6.18 endete die Frist zur Abgabe von Stellungnahmen. Deren Auswertung ergibt dann einen Abwägungsvorschlag der vermutlich demnächst den Fachausschüssen zur Beratung vorgestellt werden soll. Die Stadt plant, die Beschlussfassung über den fortgeschriebenen Luftreinhalteplan im September 2018 herbeizuführen. 

Den Abwägungsvorschlag habe ich noch nicht den Tagesordnungen der aktuellen Ausschusstermine im Bürgerinfoportal der Stadt gefunden. Ich nehme daher an, dass die Vorstellung und Beratungen hierzu im September beginnen.

Zwischenergebnisse der Stickstoffdioxid Passivsammler

Die Stadt hat auf der letzten Sitzung des Ausschusses für Stadtgrün, Umwelt und Klima vom 9.8.2018 den Zwischenbericht mit den Ergebnisse der Stickstoffdioxid Passivsammler veröffentlicht. Im Bereich 9 verschiedener  Straßen wurde in 8 Messzyklen (einmal pro Monat) der durchschnittliche Konzentrationswert ermittelt. Die gute Nachricht: Im Durchschnitt über acht Monate zwischen November 2017 und Juni 2018 wurde bis auf den bekannten Hot-Spot am Heiligengeistwall bislang keine Überschreitung des Jahresgrenzwertes ermittelt. Für die Messungen wurde das UCL Umwelt Control Labor in Lünen beauftragt.

Vollbildanzeige

Es gibt drei höhere Werte 18.5-22.8 ug/m3 (gelb), zwei mittlere: 15.7-15.9 ug/m3 (grau) und vier niedrige: 13.4-14.6 ug/m3 (grün), sowie den Referenzmeßpunkt mit 47.5 ug/m3 (rot).

Interessanterweise liegen der Passivsammler an der Georgstraße und der Referenzmeßpunkt am Heiligengeistwall sehr nah beieinander, wobei letzterer aber eine durchschnittlich um 236% höhere Messung zeigt. 

Momentan sind die Positionen der Sammler nur grob nach Straßennamen eingezeichnet. Es gibt als Anlage auch den Foliensatz der bei der Sitzung präsentiert wurde. Dort sind auch die einzelnen Messungen und die genaueren Standorte erkennbar und ich habe die Standorte auf meiner Karte auf Basis dieser Informationen aktualisiert. Wenn ich Zeit habe, bringe ich die Messwerte auch noch in Tabellenform. Aus den Folien ist auch erkennbar, dass die Stadt plant, den noch bis Ende 2018 laufenden Vertrag zu verlängern und ggf. auch neue/andere Standorte  zu untersuchen.

BreezoMeter

Eine israelische Firma sammelt weltweit Daten über die Luftqualität und bereitet diese Daten für zB. Handy-Apps auf. Dies beinhaltet auch Daten z.B. über den Pollenflug. Das BreezoMeter berechnet für jeden Ort eine einzige Zahl die über die Luftqualität an diesem Ort Auskunft gibt, wobei 100 für die bestmögliche und 0 für die schlechtest mögliche Luftqualität steht. Für Oldenburg funktioniert dies auch.

 

Oldenburg will keine umfassenden Fahrverbote

Laut NWZ Online will Oldenburg auf Alternativen zu Fahrverboten setzen. Es bleibt weiterhin spannend, welche das sein werden. Ob die Modernisierung der Busflotte da ausreichend sein wird, ist fraglich. Gegenwärtig wird ja die Stickoxid Hintergrundbelastung gemessen. Aktuelle Messwerte liegen dazu leider meines Wissens noch nicht vor. Auch auf deren Interpretation durch die Stadt bin ich gespannt. Im letzten Jahr hat die Stadt Oldenburg den Stickstoff Grenzwert von 40 Mikrogramm/m^3 um  22,5% überschritten (40 Mikrogramm/m^3).

Einwohnerfrage im Ausschuss für Stadtgrün, Umwelt und Klima

Vor einem Monat hatte ich eine Anfrage zu den Messungen und deren Interpretation im Ausschuss für Stadtgrün, Umwelt und Klima schriftlich eingereicht und im Rahmen der Sitzung mündlich vorgetragen. Ziel meiner Fragen war es, den Umfang der Messung, die Beteiligung der Stadt an dem Betrieb der Messstellen sowie Gründe der Einschränkung der Veröffentlichung von Messdaten zu erfahren:

1. Warum können nicht laufend, daher monatlich aktualisierte Messwerte der Passivsammler zur Information der Bürger zur Verfügung gestellt werden?

2. Aufgrund der Zusammenfassung der Daten haben die Einwohner nicht die Möglichkeit die aktuelle Luftbelastung zu erfahren (z.B. um Bereiche mit hoher Belastung zu meiden). Kann die Stadt sich dafür einsetzen, dass auch vorläufige Messwerte in Rhythmus ihrer jeweiligen Messwerterfassung zeitnah veröffentlicht werden?

3. Die o.g. Messtation erfasst mutmaßlich auch kleinere (als PM10) Feinstaubpartikel. Welche Partikelgrößen sind dies und warum werden diese nicht veröffentlicht?

Die Antwort der Stadt wurde ebenfalls im Ausschuss vorgetragen. Ich konnte erreichen, dass zumindest die Daten der Stickoxid-Passivsammler, die der Messung der Hintergrundbelastung diesen, ab und an im Ausschuss veröffentlicht werden.

Soweit ich die Antworten verstehe, ist die Stadt im wesentlichen interessiert, die Einhaltung der Grenzwerte zu überprüfen. Die Stadt wird sich nicht für eine umfassendere Veröffentlichung von Messdaten einsetzen, da die Daten schwer zu interpretieren sind und auch z.B. wetterabhängig.

Nach meinem aktuellen Stand betreibt die Stadt keine Ursachenforschung, um Erklärungen für teilweise hohe temporärer Feinstaub- und Stickoxidmessungen zu finden. Gleichzeitig wurde Sie aber zu Fortschreibung von weiteren Maßnahmen zur Luftreinhaltung gezwungen.