Zwischenergebnisse der Stickstoffdioxid Passivsammler

Die Stadt hat auf der letzten Sitzung des Ausschusses für Stadtgrün, Umwelt und Klima vom 9.8.2018 den Zwischenbericht mit den Ergebnisse der Stickstoffdioxid Passivsammler veröffentlicht. Im Bereich 9 verschiedener  Straßen wurde in 8 Messzyklen (einmal pro Monat) der durchschnittliche Konzentrationswert ermittelt. Die gute Nachricht: Im Durchschnitt über acht Monate zwischen November 2017 und Juni 2018 wurde bis auf den bekannten Hot-Spot am Heiligengeistwall bislang keine Überschreitung des Jahresgrenzwertes ermittelt. Für die Messungen wurde das UCL Umwelt Control Labor in Lünen beauftragt.

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Es gibt drei höhere Werte 18.5-22.8 ug/m3 (gelb), zwei mittlere: 15.7-15.9 ug/m3 (grau) und vier niedrige: 13.4-14.6 ug/m3 (grün), sowie den Referenzmeßpunkt mit 47.5 ug/m3 (rot).

Interessanterweise liegen der Passivsammler an der Georgstraße und der Referenzmeßpunkt am Heiligengeistwall sehr nah beieinander, wobei letzterer aber eine durchschnittlich um 236% höhere Messung zeigt. 

Momentan sind die Positionen der Sammler nur grob nach Straßennamen eingezeichnet. Es gibt als Anlage auch den Foliensatz der bei der Sitzung präsentiert wurde. Dort sind auch die einzelnen Messungen und die genaueren Standorte erkennbar und ich habe die Standorte auf meiner Karte auf Basis dieser Informationen aktualisiert. Wenn ich Zeit habe, bringe ich die Messwerte auch noch in Tabellenform. Aus den Folien ist auch erkennbar, dass die Stadt plant, den noch bis Ende 2018 laufenden Vertrag zu verlängern und ggf. auch neue/andere Standorte  zu untersuchen.

BreezoMeter

Eine israelische Firma sammelt weltweit Daten über die Luftqualität und bereitet diese Daten für zB. Handy-Apps auf. Dies beinhaltet auch Daten z.B. über den Pollenflug. Das BreezoMeter berechnet für jeden Ort eine einzige Zahl die über die Luftqualität an diesem Ort Auskunft gibt, wobei 100 für die bestmögliche und 0 für die schlechtest mögliche Luftqualität steht. Für Oldenburg funktioniert dies auch.

 

Oldenburg will keine umfassenden Fahrverbote

Laut NWZ Online will Oldenburg auf Alternativen zu Fahrverboten setzen. Es bleibt weiterhin spannend, welche das sein werden. Ob die Modernisierung der Busflotte da ausreichend sein wird, ist fraglich. Gegenwärtig wird ja die Stickoxid Hintergrundbelastung gemessen. Aktuelle Messwerte liegen dazu leider meines Wissens noch nicht vor. Auch auf deren Interpretation durch die Stadt bin ich gespannt. Im letzten Jahr hat die Stadt Oldenburg den Stickstoff Grenzwert von 40 Mikrogramm/m^3 um  22,5% überschritten (40 Mikrogramm/m^3).

Einwohnerfrage im Ausschuss für Stadtgrün, Umwelt und Klima

Vor einem Monat hatte ich eine Anfrage zu den Messungen und deren Interpretation im Ausschuss für Stadtgrün, Umwelt und Klima schriftlich eingereicht und im Rahmen der Sitzung mündlich vorgetragen. Ziel meiner Fragen war es, den Umfang der Messung, die Beteiligung der Stadt an dem Betrieb der Messstellen sowie Gründe der Einschränkung der Veröffentlichung von Messdaten zu erfahren:

1. Warum können nicht laufend, daher monatlich aktualisierte Messwerte der Passivsammler zur Information der Bürger zur Verfügung gestellt werden?

2. Aufgrund der Zusammenfassung der Daten haben die Einwohner nicht die Möglichkeit die aktuelle Luftbelastung zu erfahren (z.B. um Bereiche mit hoher Belastung zu meiden). Kann die Stadt sich dafür einsetzen, dass auch vorläufige Messwerte in Rhythmus ihrer jeweiligen Messwerterfassung zeitnah veröffentlicht werden?

3. Die o.g. Messtation erfasst mutmaßlich auch kleinere (als PM10) Feinstaubpartikel. Welche Partikelgrößen sind dies und warum werden diese nicht veröffentlicht?

Die Antwort der Stadt wurde ebenfalls im Ausschuss vorgetragen. Ich konnte erreichen, dass zumindest die Daten der Stickoxid-Passivsammler, die der Messung der Hintergrundbelastung diesen, ab und an im Ausschuss veröffentlicht werden.

Soweit ich die Antworten verstehe, ist die Stadt im wesentlichen interessiert, die Einhaltung der Grenzwerte zu überprüfen. Die Stadt wird sich nicht für eine umfassendere Veröffentlichung von Messdaten einsetzen, da die Daten schwer zu interpretieren sind und auch z.B. wetterabhängig.

Nach meinem aktuellen Stand betreibt die Stadt keine Ursachenforschung, um Erklärungen für teilweise hohe temporärer Feinstaub- und Stickoxidmessungen zu finden. Gleichzeitig wurde Sie aber zu Fortschreibung von weiteren Maßnahmen zur Luftreinhaltung gezwungen.

Wie schädlich ist Feinstaub?

Spiegel Online berichtet wieder mal über die Verursacher und Gefahren Feinstaub. Interessant ist, das grundsätzlich Industrieprozesse die Hauptverursacher der Feinstaubbelastung in Deutschland sind. Die kleineren PM2.5 partikel werden außerdem hauptsächlich von Haushalten (z.B. Heizung und Kamine) und dem Verkehr erzeugt, wohingegen bei den größeren PM10 die Landwirtschaft ein weiterer Hauptverursacher ist (Quelle Umweltbundesamt).

Feinstaub kann weiterhin auch durch chemische Prozesse, an denen  Schwefeloxide, Ammoniak, Kohlenwasserstoffe und die leidigen Stickoxide beteiligt sind, entstehen.

13 PM10 Grenzwertüberschreitungen 2017

Ich habe gerade noch mal beim Umweltbundesamt die PM10 Grenzüberschreitungen für 2017 recherchiert: Es waren 13 in 2017, davon je 6 im Januar und Februar, sowie eine im August. 2016 waren es 8, 2015: 16, 2014: 28 und 2013:7 Überschreitungen.

Hier auch noch eine schöne Visualisierung der aktuellen Feinstaubentwicklung in Berlin. Diese Visualisierung mittels Heatmaps müsste man mal als Video produzieren.

Stickoxide, das aktuelle Problem in Oldenburg

Während zumindest die offiziellen Feinstaubgrenzwerte an der Messstation am Heiligengeistwall nicht mehr überschritten werden, ist dies bei den Stickoxiden (NOx) anders. Seit der Aufstellung der Station in 2012 werden die offiziellen Grenzwerte jedes Jahr überschritten. Hierzu gibt es auch eine gute Zusammenfassung der Maßnahmen der Stadt Oldenburg zur Luftreinhaltung. Nach der erstmaligen Überschreitung der Grenzwerte (damals an der alten Position der Messtation an der Nadoster Str.) wurde die Stadt zu verpflichtet, einen Luftreinhalteplan zu verfassen. Soweit ich bisher recherchiert habe, wollte der Oberbürgermeister auf eine Fortschreibung dieses Planes verzichten, was aber vom Umweltministerium von Niedersachen abgelehnt wurde.

An dem Messstandort am Heiligengeistwall sind 23,3 % der NOx-Gesamtbelastung der regionalen Hintergrundbelastung zuzuschrieben und 19,2% dem Straßenverkehr. Soweit ich es aktuell überblicke, würde die Einrichtung einer grünen Zone nur 8% der in Oldenburg gemeldeten Autos betreffen und keinen der städtischen Busse. In Hannover wurde eine grüne Zone eingerichtet, brachte aber statt der erwarteten 10-13% nur 1% Entlastung. Die Stadt sucht daher nach anderen Alternativen, eine komplette Sperrung oder den Heiligengeistwall auf EInbahnstrassenbetrieb umzustellen brächte wohl die größte Entlastung, ist aber wg. der ÖPNV praktisch nicht umsetzbar. Es ist sicher auch fraglich, wie viele Mensche an diesem Hotspot wirklich betroffen sind.

Ich werde dieses Jahr das Thema weiter verfolgen und auch nach Möglichkeiten suchen, eigene Stickoxidmessungen vorzunehmen. Die Stadt betreibt weiterhin zehn NOx – Passivsammler, deren Standort ich noch ausfindig machen möchte. Die NWZ schreibt, dass die Stadt für den Betrieb der beiden Sammler 25.000 EUR (vom November 2017 bis Dezember 2018) ausgibt. Diese werden im vierwöchentlichem Rhythmus von einer zertifizierten Stelle ausgewertet. Weitere zwei Passivmelder werden  vom Lufthygienischen Überwachungsnetzes (LÜN) betrieben.

Standorte der Passivsammler, die durch die Stadt beauftragt betrieben werden:

  • Heiligengeistwall (Referenzmesspunkt)
  • Georgstraße
  • Langenweg (Swarte Moor)
  • Groß Bornhorster Straße
  • Butenweg
  • Gerhard-Stalling-Straße
  • Wilhelm-Ahlhorn-Weg
  • Hugo-Eckener-Straße
  • Chaukenstraße
  • Wehdestraße

Passivsammler-Messpunkte mit Betrieb durch LÜN:

  • Theodor-Tantzen-Platz
  • Brandsweg

Die NWZ berichtet weiterhin, dass die Messwerte nur am Ende der Messkampagne vorliegen. Den Grund werde ich noch versuchen herauszufinden. Auch, ob zumindest die Messwerte von LÜN verfügbar sind. Dazu habe ich gerade eine Einwohnerfrage an den entsprechenden Ausschuss formuliert.

Im gleichen Artikel schreibt die NWZ auch, dass die Stadt bis zum 31.12.17 Zeit hat, einen Maßnahmenkatalog vorzulegen, aus dem hervorgeht, wie die Stickoxidbelastung dauerhaft unter 40 Mikrogramm gesenkt werden soll. Ob dieser Maßnahmenbericht rechtzeitig fertiggestellt wurde, versuche ich noch zu recherchieren. Vermutlich ist dies der Maßnahmenbericht.

Datenqualität zweites Halbjahr 2017

Die Grafik zeigt die von mir gemessenen gleitenden 24h PM10 Werte des vergangenen halben Jahres (in blau) – genauer vom 7.6.2017 bis heute, den 30.12.2017 im Vergleich zu den offiziellen gleitenden PM10 Werten aus Oldenburg (in orange).  Insgesamt habe ich in dieser Zeit 6082 offizielle Messwerte und 6750 eigene Messpunkte gesammelt.

In der Grafik fallen die blauen Spitzen auf, die ich mir bei Gelegenheit nochmal genauer ansehen werde. Auch fehlen mir Daten aus den Herbstferien, ihn denen ich versehentlich den Sensor abgeklemmt hatte. Insgesamt scheinen die Verläufe beider Kurven gut aufeinander zu passen. Für den oben angegebenen Zeitraum komme ich für meine Messungen im Vergleich zur offiziellen Messung auf eine recht hohe Korrelation von r=0.76.